Nun, es gibt da einen politischen Gegner von Schrages Partei, nämlich die „neue“ ÖVP von/mit/durch Sebastian Kurz. Und diese Liste ist jetzt sowas wie der „Endgegner“ auf den der Politikbetrieb in den letzten Jahren zugesteuert ist.

Eines der Gesichter dieser neuen ÖVP ist Elisabeth Köstinger. Das heißt, das Posting geschieht nicht auf einem „plain field“, da geht’s schon (auch) um den aktuellen Wahlkampf.

Was macht Schrage also? Zuerst entpersonalisiert er Köstinger und verortet sie aufgrund ihres Aussehens, Kleidung und Art zu sprechen einer Gruppe von „jungen Damen der ÖVP Innere Stadt zu, die, so behauptet er mit ihm Sex hatten. Warum sie (angeblich) mit ihm schliefen weiß er selbst nicht, aber er vermutet seine Ausstrahlung als „talentierter Revolutionär“. Damit mal klar ist, wer hier der Großartige war …

Nun gut, so viel Machismo von viel früher (nein, nicht aus den 80ern … eher aus den 50ern) und Grauslichkeit ist man ja von einigen alternden Herren gewohnt, belächelt man meist (wenn es nicht wie hier um eine Politikerin der Konkurrenz ginge) und scrollt weiter.

Aber dann wird’s wieder persönlich, Schrage platziert seinen Schwa… Schal gleich mal ins Vorzimmer von Elisabeth Köstinger um klar zu machen, dass er die natürlich auch gefickt haben musste … damals wie die anderen „jungen Damen“, zweifellos auch angetan von seinem revolutionären Talent … damals … in den 80ern … wo halt alles noch gut war …

Und natürlich ist das sexistisch … „den Gegner hab ich schon gehabt/gefickt“ ist geradezu exemplarisch (und auch auf anderen Gebieten Sprachgebrauch). Eine (politische) Auseinandersetzung wird (meist von schwächeren Männern) auf eine sexuelle Ebene „entführt“ (warum eigentlich?) und dort mit „ich hatte sie damals alle und ja, auch die Gegnerin“ aufgelöst.

Als altgedienter Netizen und (wirklicher) Digital Native bin ich allerhand Grauslichkeiten gewohnt (und ja, ich les auch manchmal die Ergüsse in Straches Facebook-Umfeld) und mit diesen Erfahrungen weiß ich auch, wie ich so eine öffentliche Wortmeldung einzuordnen habe.

Und natürlich weiß ich auch, wie ich die Schrage-Fangirls und -boys einzuordnen habe. Das sind jetzt nicht die SexistInnen par excellence … vermutlich fühlen sich einige ertappt, dass sie das nicht gesehen haben (die Spirale der grotesken Kritiker-Beschimpfungen scheint darauf hinzudeuten), einige können endlich ihrer Unzufriedenheit mit dieser ganzen komplizierten Gleichberechtigungs-Awareness-Scheiße Ausdruck verleihen, andere sehen sich in ihrer Loyalität zu (einem guten Freund?) Schrage gefordert.

Alles in allem bleibt es doch nur ein grausliches, sexistisches Facebook-Post eines SPÖ-Politikers. Ich meine, sowas sollte man veröffentlichen können. Und man sollte es gut finden können. Und man sollte beides dann aber auch individuell einordnen dürfen.

Und ganz generell: wenn ich so auf (pseudo)lässige Art öffentlich meinen Schwanz in Form eines Facebook-Posts raushängen lasse, darf ich mich nicht wundern, wenn ihn andere für zu schiach, alt und nicht mehr nützlich finden.

Im übrigen verweise ich auf meine Twitter-Bio.

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