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Befragt man die ORF Kundendienst-Seite erfährt man über die Ausrichtung von „im ZENTRUM„:

In der Sendung „im ZENTRUM“, dem Nachfolger von „Offen gesagt“, wird das politische Thema der Woche inklusive seinem gesellschaftspolitischen Hintergrund von bis zu fünf Gesprächspartnern diskutiert.

Jetzt verfolge ich dieses „politische Diskussionsformat“ schon seit einigen Monaten und stelle fest, dass aus einem politischen Format ein Krawall-Boulevard-Diskussionsformat geworden ist. Da hilft auch kein „Auflockern“ durch 2 Minuten-Gäste oder Einspieler – im Gegenteil.

Klar, wenn ich in einem kleinen Land wie Österreich eine politische Diskussions-Sendung bringe, muss ich damit rechnen, dass den Zuschauern nach einiger Zeit die (immer gleichen) Beteiligten langsam beim Hals raus hängen.

Jetzt will man zwar mit dem Projekt „New Faces“ (unglaublich dämlicher Name übrigens) für neue Gesichter bei den Talkshows im ORF sorgen, allerdings wird das zu kurz greifen. Man sollte Ausrichtung und Selbstverständnis des Formats „im ZENTRUM“ komplett neu überdenken.

Dazu ein kurzer Blick auf die Titel der „im ZENTRUM“-Sendungen der letzten Monate:

  • Die Tricks der Schönheits-Industrie – Braucht sie strengere Regeln?
  • Fragt doch das Volk – dankt die Politik ab?
  • Der letzte Sirtaki – Muss Griechenland raus?
  • Karrierefrauen gegen Superglucken – Wer sind die besseren Mütter?
  • im Zentrum spezial: Schicksalswahlen in Europa
  • Alles Supersauber – oder doch nicht? Lässt sich die Politik in die Kassen schauen?
  • Luxus Autofahren – Zocken uns die Öl-Multis ab?
  • Wasser predigen, Wein trinken – Schein und Sein in der Katholischen Kirche
  • Angriff auf die Parteien – Piraten und Co im Anmarsch
  • Benimm-Regeln für Politiker? Können Vorschriften den Anstand ersetzen?
  • Politik gegen Justiz – wer sind die Bösen?
  • Dicke zur Kasse – UNO fordert Fett-Steuer
  • Natascha Kampusch – Neue Beweise oder Verschwörungstheorien?
  • Verlorene Jugend – Keine Arbeit, keine Ausbildung, keine Chance?
  • Der Telekom-Skandal – die verluderte Republik
  • Die fetten Jahre sind vorbei – Das Sparpaket 2012
  • „Die neuen Juden“ – Verfolgt? Verhetzt? Missverstanden?
  • Brauchen S‘ eine Rechnung?“ – Republik der Steuerhinterzieher
  • Todesfalle Traumschiff – Wie sicher ist man auf hoher See
  • Abgestraft – was nun? Österreich verliert sein Triple A, was sind die Folgen?
  • Wie tickt Österreich – Zwischen Operettenstaat und Bananenrepublik?
  • Party, Chillen, Shoppen – Tickt so unsere Jugend?
  • Ist Europa gerettet? Und welche Überlebenschancen hat der Euro?
  • Her mit dem Zaster! Brauchen wir die Reichensteuer?
  • Dicke Luft – Autos raus aus den Städten?
  • Sparen – Aber nicht bei mir!
  • Pfarreraufstand – kommt es zur Kirchenspaltung?
  • Der Schwindel mit der Frühpension
  • Missbrauch als System – Wer schützt unsere Kinder?
  • Streik! Sozialpartner-Romantik am Ende?
  • Bösewicht oder Sündenbock – Was machen die Banken mit unserem Geld?
  • Skandale am Pranger: Wenn Parlamentarier ermitteln
  • Teures Pflaster Österreich – Wer kann sich das Leben noch leisten?
  • Europas Albtraum – Geht Griechenland pleite?
  • 9/11 – Wie hat sich die Welt seither verändert?
  • Stresstest für die Koalition – Werden wir gut genug regiert?
  • Euroland ist abgebrannt – Erdrückt uns der Schuldenberg?
  • Aufsteigen mit Fünfern – ein Glaubenskrieg
  • Kaufrausch – Fällt der heilige Sonntag?
  • Gefährliche Genüsse – wenn Essen tötet!
  • Buhmann Lehrer – Wenig Arbeit für viel Geld?

Man kann unschwer erkennen, wie billig und boulevardesk man offenbar in dieser Redaktion denkt.

Da werden Krawall-Titel erzeugt, dass es eine Freude ist – wie überhaupt der Texter eine bestimmte Affinität zur BILD-Zeitungs-Diktion zu haben scheint: Da gibt’s „Superglucken“, es wird „abgezockt“, zweimal wird gefragt, wie XY „ticken“ und natürlich tanzt man in Griechenland „den letzten Sirtaki“.

Auf jeden Fall wird man laut diesen Headlines entweder beschissen, hat es mit lauter Unfähigen zu tun und auf jeden Fall gibt’s nur Schwarz oder Weiß. Davon kann auch das relativierende „Pseudo-Fragezeichen“ am Ende nicht ablenken.

Was neben der ärgerlichen (und IMGO verräterischen) Sprache auch stört, ist der Umstand, dass gut ein Drittel der Themen (Schönheits-Industrie, Bessere Mütter, Kampusch, Kreuzfahrten, …) mit „politischen Themen“ nichts zu tun hat.

Insgesamt kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass hier einfach das gescheiterte Boulevard-Diskussionsformat „Contra“ mit abgedeckt werden soll.

Dass jetzt angeblich Frau Zechner über eine Einstellung des Club 2 nachdenkt, während dieses „Nicht-Diskussions-Format“ mit einer hilflosen Ingrid Thurnher einen Tiefpunkt nach dem anderen liefert, zeigt die Schwäche des ORF im Bereich Talkshow.

Einzig kreuz + quer scheint dann noch die letzte Bastion intelligenter Diskussion im öffentlich-rechtlichen TV in Österreich zu sein.

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