Ich hab noch meinen Schal bei Dir hängen, Baby …

Nun, es gibt da einen politischen Gegner von Schrages Partei, nämlich die „neue“ ÖVP von/mit/durch Sebastian Kurz. Und diese Liste ist jetzt sowas wie der „Endgegner“ auf den der Politikbetrieb in den letzten Jahren zugesteuert ist.

Eines der Gesichter dieser neuen ÖVP ist Elisabeth Köstinger. Das heißt, das Posting geschieht nicht auf einem „plain field“, da geht’s schon (auch) um den aktuellen Wahlkampf.

Was macht Schrage also? Zuerst entpersonalisiert er Köstinger und verortet sie aufgrund ihres Aussehens, Kleidung und Art zu sprechen einer Gruppe von „jungen Damen der ÖVP Innere Stadt zu, die, so behauptet er mit ihm Sex hatten. Warum sie (angeblich) mit ihm schliefen weiß er selbst nicht, aber er vermutet seine Ausstrahlung als „talentierter Revolutionär“. Damit mal klar ist, wer hier der Großartige war …

Nun gut, so viel Machismo von viel früher (nein, nicht aus den 80ern … eher aus den 50ern) und Grauslichkeit ist man ja von einigen alternden Herren gewohnt, belächelt man meist (wenn es nicht wie hier um eine Politikerin der Konkurrenz ginge) und scrollt weiter.

Aber dann wird’s wieder persönlich, Schrage platziert seinen Schwa… Schal gleich mal ins Vorzimmer von Elisabeth Köstinger um klar zu machen, dass er die natürlich auch gefickt haben musste … damals wie die anderen „jungen Damen“, zweifellos auch angetan von seinem revolutionären Talent … damals … in den 80ern … wo halt alles noch gut war …

Und natürlich ist das sexistisch … „den Gegner hab ich schon gehabt/gefickt“ ist geradezu exemplarisch (und auch auf anderen Gebieten Sprachgebrauch). Eine (politische) Auseinandersetzung wird (meist von schwächeren Männern) auf eine sexuelle Ebene „entführt“ (warum eigentlich?) und dort mit „ich hatte sie damals alle und ja, auch die Gegnerin“ aufgelöst.

Als altgedienter Netizen und (wirklicher) Digital Native bin ich allerhand Grauslichkeiten gewohnt (und ja, ich les auch manchmal die Ergüsse in Straches Facebook-Umfeld) und mit diesen Erfahrungen weiß ich auch, wie ich so eine öffentliche Wortmeldung einzuordnen habe.

Und natürlich weiß ich auch, wie ich die Schrage-Fangirls und -boys einzuordnen habe. Das sind jetzt nicht die SexistInnen par excellence … vermutlich fühlen sich einige ertappt, dass sie das nicht gesehen haben (die Spirale der grotesken Kritiker-Beschimpfungen scheint darauf hinzudeuten), einige können endlich ihrer Unzufriedenheit mit dieser ganzen komplizierten Gleichberechtigungs-Awareness-Scheiße Ausdruck verleihen, andere sehen sich in ihrer Loyalität zu (einem guten Freund?) Schrage gefordert.

Alles in allem bleibt es doch nur ein grausliches, sexistisches Facebook-Post eines SPÖ-Politikers. Ich meine, sowas sollte man veröffentlichen können. Und man sollte es gut finden können. Und man sollte beides dann aber auch individuell einordnen dürfen.

Und ganz generell: wenn ich so auf (pseudo)lässige Art öffentlich meinen Schwanz in Form eines Facebook-Posts raushängen lasse, darf ich mich nicht wundern, wenn ihn andere für zu schiach, alt und nicht mehr nützlich finden.

Im übrigen verweise ich auf meine Twitter-Bio.

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Arbeitsanreize falsch rechnender Milchmädchen (feat. Hans Jörg Schelling)

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Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling war zu seinem „umstrittenen“ Zitat „Es ist auch deshalb schwer, Arbeitskräfte zu finden, weil das Arbeitsloseneinkommen fast genauso hoch ist wie das Arbeitseinkommen.“ in der Zeit im Bild 2.

Er legte im Interview mit Armin Wolf Wert darauf, nicht die Mindestsicherung gemeint zu haben, sondern „arbeitsloses Einkommen“. Im längeren Interview fiel von Schelling folgender Satz, nachdem Armin Wolf vorgerechnet hatte, dass ein Alleinverdiener ohne Kinder mit 2.000,- brutto 14 x 1.400,- netto verdient, aber als Arbeitsloser nur noch 955,- 12 x im Jahr erhält*:

Man muss es einmal rechnen, wenn jemand 1.500,- Euro brutto verdient und dann herunterfällt auf die Ersatzrate, aber gleichzeitig mit 827,- Mindestsicherung, dann wird die Distanz so gering, dass es nur noch um 100,- oder 200,- Differenz geht und dieser Anreiz scheint zu gering zu sein.

Rechnen wir einmal nach

Wenden wir uns zunächst den Zahlen zu. Jetzt wird aus der Grammatik des Satzes nicht ganz klar, was Schelling mit „herunterfällt auf die Ersatzrate, aber gleichzeitig mit 827,- Mindestsicherung“ meint. Deshalb rechnen wir hier einfach diese 1.500,- für alle drei „Ersatzleistungen“ (Arbeitslosengeld, Notstandshilfe, Mindestsicherung) aus (Annahme: Arbeiter, Vollzeit, Alleinverdiener, keine Kinder, keine zusätzlichen Leistungen oder Kürzungen, zur besseren Vergleichbarkeit werden Jahres“netto“-Werte errechnet und auf 12 Monate umgerechnet):

Arbeitseinkommen:

Monats-Brutto: 1.500,-
Jahres-Netto: 16.312,98
umgerechnet auf 12 Monate (netto): 1.359,42

Arbeitsloses Einkommen:

Arbeitslosengeld:

Tagessatz: 27,04
umgerechnet auf 12 Monate: 822,47
Differenz zum Arbeitseinkommen (12 x jährlich): 536,95

Schelling „verschätzt“ sich damit um 268 % bis 537 %

Notstandshilfe:

Tagessatz: 25,69
umgerechnet auf 12 Monate: 781,40
Differenz zum Arbeitseinkommen (12 x jährlich): 578,01

Schelling „verschätzt“ sich damit um 289 % bis 578 %

Mindestsicherung:

monatlich (Wien): 827,82
Differenz zum Arbeitseinkommen (12 x jährlich): 532,42

Schelling „verschätzt“ sich damit um 266 % bis 532 %

Was man in diesem Zusammenhang übrigens bemerken muss, dass sowohl Arbeitslosengeld als auch Notstandshilfe (rechnerisch) so niedrig sind, dass man bereits für den Differenzbetrag auf 827,82 Mindestsicherung beantragen könnte.

Es böten sich jetzt zwar einige Kommentare in Sachen Möbelpreise und Realitätsferne von Finanzministern oder Rechenschwäche im Finanzministerium an, aber die konnte man ohnehin alle auf Twitter nachlesen.

Fühlen Sie sich gereizt?

Kommen wir zum Schluss, den Schelling zieht: „dieser Anreiz scheint zu gering zu sein“. Damit befinden wir uns in der wunderbaren Welt von scheinen, meinen und glauben. Hier helfen auch irgendwelche Studien nicht weiter, weil man ja weiß, dass derartige Studien mehr Auskunft über das Umfragesetting geben, als über tatsächlich vorherrschende Stimmungen in der Bevölkerung.

Trotzdem dazu ein paar Gedanken:

Selbst bei angenommener Differenz von 100,- bis 200,- EUR im Monat würde das im obigen Beispiel etwa zwischen 12 und 26 % Einkommensplus bedeuten. Schon mal die Mietpreise in Wien recherchiert? Schon mal ein Monatsbudget für einen Mindestsicherungsbezieher zusammengestellt? Das Argument „für die paar Nedsch“ erscheint mir (auf diesem Einkommensniveau) hochgradig unglaubwürdig.

Dieser Anreiz „scheint“ gering zu sein. Ist das Schellings „gefühlte“ Wahrheit, ist das „ironisch“ gemeint oder basiert diese Aussage auf einer Studie? Wenn diese Aussage auf einer Studie basiert, wurden die falschen 100,- bis 200,- abgefragt oder die richtigen 530,- bis 570,-? Welche anderen Faktoren haben noch Einfluss auf diesen „Anreiz“? Wer wurde in dieser Studie befragt? Arbeitnehmer? Arbeitslose? Notstandshilfebezieher? Mindestsicherungsbezieher? Wann?

Selbst wenn es Arbeitslose/Notstandshilfebezieher/Mindestsicherungsbezieher gibt, die angeben „um die paar 100er nicht arbeiten gehen zu wollen“, hat man gleichzeitig überprüft, ob damit von den Betroffenen nicht präventiv Eigenverantwortung für das „Versagen am Arbeitsmarkt“ gezimmert wird, um sich ein gewisses Selbstwertgefühl/Selbstbestimmung zu erhalten? Nach dem Motto: „Ich finde deshalb keine Arbeit, weil ich nicht arbeiten gehen will und nicht, weil mich niemand möchte“.

Das fröhliche Musterfamilien-basteln

Mir ist natürlich klar, dass man mit viel Geduld und Spucke Familien zusammenbasteln kann, mit riesiger Kinderschar, geringfügiger Beschäftigung, Beihilfen und gekonnt geplanter Arbeitslosigkeit um sich zu diesen 100,- bis 200,- „hinzutricksen“. Nur stellt sich auch hier die Frage: Wie viele dieser „Konstruktionen“ gibt es? Darüber hinaus (weil auch letztens in einem Argument gelesen): Familienbeihilfe ist kein „Einkommen“ sondern da gibt’s Kinder die (zurecht) oft deutlich höhere Ansprüche an das Familienbudget stellen.

Sollten Ersatzleistungsempfänger geringfügig beschäftigt sein, dann arbeitet diejenigen bereits. Er/Sie macht also genau das, was Schelling so vehement fordert: er/sie stellt seine Arbeitskraft der Wirtschaft zur Verfügung. Mein Tipp an „die Wirtschaft“: Machen Sie diesen Personen ein Vollzeitangebot, zugreifen!

Und die ganz tiefen Agitatoren basteln dann dieses geraunte „die verdienen sich sicher etwas „nebenbei“, manche sogar etwas mehr „nebenbei““ (wie bei der Wut-Oma drüben bei Flisch und Freisch). Es ist schon klar, was man da Beziehern dieser Ersatzleistungen unterschwellig unterstellt: Sozialbetrug … und weil wir schon im Klassenkampf sind, gleich mal pauschal (sonst wär’s ja keine Kritik am gegenwärtigen System) einer der wirtschaftlich schwächsten Gruppen in der Republik. „Ich kenn da wen, der hat an Bruder, der lebt nur vom Pfusch und der Arbeitslose und hat sich gestern das neue iPhone kauft“, ist der neue „Rumäne, der mit dem Rolls Royce zum Betteln fährt“

Schämt Euch.

Apropos „Schwarzarbeit“; auch hier stellt eine Person seine Arbeitskraft der Wirtschaft zur Verfügung, nur die macht mit dem Betroffenen einen (vor allem für den Arbeitnehmer) windigen Deal um Sozialabgaben und Steuern zu hinterziehen. Auch hier, liebe Wirtschaft: Zugreifen … Einstellen!

: Die Möglichkeiten für Supermarktkassiererinnen oder Sekretäre „mehr nebenbei“ zu verdienen, sind durchaus überschaubar.

Wer braucht schon Fakten?

Damit erschöpft sich meine Replik auf diesen einen Satz von Schelling, wobei es noch ein letztes Element aufzuzeigen gilt:

Fast täglich werfen vor allem ÖVP und FPÖ falsche, tendenziöse Zahlen in den Raum, die einer Überprüfung selten standhalten. Intelligentere Kommunikatoren als Schelling bleiben dabei immer so vage, dass man die jeweilige Aussage auch völlig anders als intendiert verstehen kann.

Schelling selbst stotterte dann im Interview auch nicht mehr von „Die Wirtschaft findet keine Arbeiter. Wir brauchen Hartz IV“ sondern von „Mehr Menschen müssen in Arbeit gebracht werden. Wir brauchen Kombilohn“.

Dieser Artikel hat in etwa 2 Stunden zum Schreiben und Recherchieren gebraucht und widmet sich genau einem Satz von Schellings katastrophalen Zeit im Bild 2 Auftritt. Eine Entkräftung bzw. Analyse des ganzen Interviews würde wohl mehrere Tage brauchen (vor allem auch, weil verschiedene Aussagen schlichtweg objektiv logisch keinen Sinn ergaben).

Generell ist der Aufwand „Bullshit“ zu entkräften bzw. zu relativieren natürlich wesentlich höher, als sich auf den Marktplatz zu stellen und zu behaupten der Mond sei im Inneren mit Heidelbeermarmelade gefüllt.

Derartige „Pseudo-Fakten“ sollen vor allem  den Eindruck vermitteln, dass es gar nicht um die Schaffung von Stimmungen, von „gefühlten Wahrheiten“ oder Feindbildern geht.

Es soll der Eindruck alternativloser „Reformen“ kranker Systems geschaffen werden – rein geschäftlich, nicht persönlich, schon gar nicht politisch. Willfährige politische Handlanger finanzstarker Wirtschaftslobbyisten bzw. -interessen schlüpfen in die Rolle von pragmatischen Technokraten und heben sich damit auf eine fachliche „Meta“-Ebene, mit der sie sich einer politischen Bewertung ihrer Ziele und Handlungen zu entziehen suchen.

Hier könnte ein langes Plädoyer für ein Primat menschenzentrierter Politik über ein technokratisch, scheinbar naturwissenschaftlich determiniertes wirtschaftliches System stehen, aber … das folgt ein anderes Mal.

Abschließend, für alle, die es noch nicht gesehen haben, hier ein „Must-See“ … Der deutsche Kabarettist Max Utthof über den „Feind der Marktwirtschaft – Dem Arbeitslosen“:

* das ist etwas ungenau, ein Arbeitsloser mit 2.000,- Brutto erhält 30,81 pro Tag, umgerechnet auf eine durchschnittliche Monatsleistung wären das 937,14

Zeitplan zu den Verhandlungen mit Griechenland geleaked!

22. Juni: Pressekonferenz dreier Finanzminister. Inhalt: Die Zeit läuft ab, es sei Zeit, der Realität ins Auge zu blicken .. man hoffe, dass das auch Varoufakis einsieht.

23. Juni: nicht genannte Quelle, die bei der letzten Verhandlungsrunde der Finanzminister anwesend war, berichtet, dass sich alle vor Lachen angepinkelt haben, als Varoufakis seine Vorschläge vorgelegt hat.

24. Juni: Schäuble, Merkel und Gabriel geben Pressekonfernz. Inhalt: Man verstehe die Sorgen der Griechen, müsse aber für die Deutschen sprechen. Schäuble markig: „bis 30. Juni 23:45 wird zurück gezahlt“

25. Juni: Nicht genannter Insider des EcoFin-Rats berichtet von einem „Kippen“ der Stimmung. Offenbar sei den Griechen der Zeitdruck nicht bewusst … Witze über anderes Zeitverständnis der Griechen machten die Runde

26. Juni: Gruppen-Pressekonferenz der Gouverneure der Euro-Nationalbanken. Message: Es steht nicht nur der Euro auf dem Spiel, die gesamte Europäische Integration sei es. Die Griechen müssen zur Vernunft kommen.

27. Juni: Insider des IWF fordert rasche Einigung, da man befürchtet, dass die Ultrarechten in der Regierung Tsipras andere ultrarechte Bewegungen im Osten Europas befördern wollen. Die Zeit drängt, es gehe um Menschenleben.

28. Juni: EU-Sondergipfel, bei dem, Insidern zufolge eindringlich auf Tsipras eingewirkt wurde, endlich Vorschläge zur Lösung der Finanzkrise vorzulegen. Die Zeit drängt und man befürchtet, dass selbst bei gutem Willen, eine Lösung bereits zu spät käme.

29. Juni: Euro-Finanzminister (ohne Varoufakis) fordern Tsipras auf, umgehend seinen Finanzminister „an die Leine zu nehmen“ und ihm klar zu machen, dass es um die Zukunft Europas geht. Die Zündschnur brenne bereits, der Sandeimer stehe vor Tsipras.

30. Juni: Schäuble gibt bekannt, dass nur noch wenige Stunden bis zum Kollaps Europas verbleiben und Varoufakis endlich konstruktive Vorschläge bringen müsse. Deutschland sei allerdings bestens auf einen Ausstieg der Griechen aus der EU vorbereitet.

30. Juni 23:30: Einigung zwischen der EZB und Griechenland über eine Überbrückungsfinanzierung bis Ende 2015. Griechenland verpflichtet sich im Gegenzug zur Abgabe einer Absichtserklärung, die Einbringungsmaßnahmen ausständiger Steuern zu intensivieren.

1. Juli: Gemeinsame Pressekonferenz von Varoufakis und Schäuble. Letzterer freut sich, dass die Griechen nun doch Vernunft angenommen hätten und endlich konstruktive Vorschläge gemacht hätten.

20. Dezember: Wahlen in Spanien, Podemos gewinnt massiv dazu

1. Jänner 2016: IWF & EZB stimmen in weiten Teilen dem Syriza-Angebot zu und leiten erste Maßnahmen für einen Schuldenschnitt ein.

Zitat

Adam Smiths andere unsichtbare Hand

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Die eine unsichtbare Hand von Adam Smith, der Gallionsfigur der Liberalen, ist ja weithin bekannt. Die andere eher nicht so:

Von einer unsichtbaren Hand werden sie (die Reichen; Anm. AnChVIE) dahin geführt, beinahe die gleiche Verteilung der zum Leben notwendigen Güter zu verwirklichen, die zustande gekommen wäre, wenn die Erde zu gleichen Teilen unter alle ihre Bewohner verteilt worden wäre.

Adam Smith

Theorie der ethischen Gefühle, 1759

Zitat

Ich seh‘ meine Rolle darin …

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I seh‘ meine Rolle darin … ah … dass man vermeidet … ah … dass man hier … ah … eine eine Hatz auf unsere Finanzminister macht, auf seitens der Opposition. Ich sehe meine Rolle jetzt ned unbedingt in der Verteidigerrolle, sondern ich sehe meine Rolle … ah … dass ich do oiso genau beobachte auch, ob hier … ah … Suggestivfragen gestellt werden oder ob hier Fragen gestellt werden … ah … die beispielsweise unter der Gürtellinie sind. Wer die letzten Nationalratssitzungen verfolgt hat und wos der Herr Kickl sogt über die Frau Fekter wenn sie sitzt und nichts sagt … oiso … das werde ich sicher nicht zulassen.

Gabriele Tamandl (ÖVP)

im ORF Report am 20. Jänner 2015

Ich bin von Irren umgeben

Wundert Ihr Euch auch nicht mal über die Menschen? Manche machen doch den Eindruck, als wären sie irgendwie ferngesteuerte Zombies, deren Hirn noch in der Cloud hängt, z. B.

Leute, die es offenbar nicht schaffen, ihre häusliche Vorratshaltung so zu managen, dass sie einen verkaufsfreien Tag (Feiertag, langes Wochenende) handlen können,

Leute, die mit blinkenden Lichtern und eindringlichem Piepen davon abgehalten werden müssen, sich zwischen zuschnellende U-Bahn-Türen zu werfen (und dies übrigens dennoch weiterhin tun),

Leute, die beim Umstellen von Sommer-/Winterzeit vor massiven organisatorischen, technischen und logischen Herausforderungen stehen,

Leute, die denken, dass das Setzen eines Fußes (oder zweier Kinderwagenräder) in den Eingangsbereich eines öffentlichen Verkehrsmittels zur wundersamen Raumschaffung in selbigem führt,

Wie immer stelle ich mir die Frage, wie wir es jemals von den Bäumen herunter geschafft haben …

Kurze Fragen

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… sind die Leut komplett durchgeknallt? Wurde flächendeckend ins Hirn g’schissen? Schütten sie den Leut was ins Trinkwasser? Tritt irgendwo Gas aus? Sinds die Temperaturen?

„Hätten Sie ein Problem damit, wenn es keine oder kaum Frauen in der EU-Kommission gäbe?“ – „Mir ist wichtig, dass Johannes Hahn wieder Kommissar wird.“

„warum reist jemand an, der nichts Böses im Schild führt, der ein deutsches Handy hat, und besorgt sich hier eine österreichische Sim-Karte?“

ÖBB-Kritik: Spindelegger verrechnete sich um 600 Millionen

„Sie (die Israelis) haben kein Gewissen, keine Ehre, keinen Stolz. Jene, die Hitler Tag und Nacht verurteilen, haben Hitler in Sachen Barbarei übertroffen.“

Kasinobescheide mit zahlreichen Fehlern

„Endlich erleben wir einen weiteren wichtigen Schritt zu einem erwachsenen und sauberen Web“

Genug genervt!

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Stefan Petzner hat gute Arbeit geleistet. Wenn man in Österreich an „orange Button-Politiker“ denkt, denkt man an seine Parteikollegen im BZÖ.

Auf deren schon unter den Penetranz-Paragraphen fallenden (selbstverständlich orangen) Buttons prangt „GENUG GEZAHLT!“.

Die sich als liberal aufspielende Jörg Haider Nachfolgertruppe trägt damit ihr ausgefeiltes Wirtschaftskonzept vor sich her … fast so durchdacht wie „Freibier für Alle“ oder „Mehr Sonnenstunden“.

Ganz abgesehen von der medialen Penetranz des Buttons selbst, dem ständig mit sich herumgetragenen Mini-Taferls, verstehen es auch die Mitglieder dieser Partei selbst zu nerven.

Da wird etwa die Halbierung der Anzahl der Nationalratsabgeordneten gefordert, oder die Abschaffung des Bundespräsidenten.

Oder man bezeichnet die OSZE-Berichte zu den russischen Wahlen als falsch, weil der rechtsrechte Parteirecke in Russland Wahlbeobachter war und man eine lettische Freundin weiß, die eh alles in Ordnung findet.

Oder stellt parlamentarische Anfragen an die Justizministerin, in denen gefragt wird, wo Karl-Heinz Grasser Hendln vergraben hat.

Oder ruft einen Tankstellenboykott am 1. März aus, der zuvor schon seit Wochen durch Facebook gegeistert ist – natürlich ohne jegliche Auswirkung.

Oder der verurteilte (und mittlerweile unbescholtene) Nationalratsabgeordnete erzählt, seine Maklertätigkeit wäre in Wirklichkeit nur ein Praxislehrgang in einem Immobilienmaklerkurs.

Oder kann vom Haider-Kult ned ablassen und kündigt deswegen scho mal nicht platzende Bomben vor Gericht an.

Oder will ein viel besprochenes und kritisiertes Gutachten nicht mal gelesen haben (und will es von Armin Wolf das erste Mal erhalten haben).

Oder, oder, oder … man sieht, bizarr as bizarr can.

Und langsam muss ich sagen, es nervt gewaltig. Deshalb, meine Aufforderung:

Button: Genug genervt!

Ein BZÖ, das sich auf dem Niveau des männlichen Teils einer Maturareise aufführt, kann ich keinesfalls ernst nehmen. Der abgesonderte Schwachsinn dieser Truppe verstopft meine Gehörgänge und Ganglien.

Und ein Entkommen ist kaum möglich, denn als im österreichischen Parlament vertretene Partei sind sie großflächig in den Medien vertreten.

Man kann nur hoffen, dass sie bezüglich ihres Vorschlags der Halbierung des Nationalrates mit gutem Beispiel vorangehen und sich aus selbigen ehebaldigst verabschieden.

Und nein, die „Alternative“ Stronach sagt mir überhaupt ned zu. Die Hoffnung, dass sich die Haider-Sympathisanten in zwei Lager aufsplittern is mir mittlerweile zu wenig.

PS:

Wer basteln möchte (oder was auch immer damit tun will), hier zwei Vorlage-Grafiken (cc by-sa 3.0 by AnChVIE):

Genug genervt! (schwarz auf orange)Genug genervt! (orange auf transparent)

Bild

Damals

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Langsam gibt’s auch im Internet die Leut, die von der Zeit „vorm (Browser)-Krieg“ erzählen: Mich z. B..

Ich kann mich nämlich noch daran erinnern, als Bilder im Internetz mit dieser Geschwindigkeit geladen/angezeigt wurden (man entschuldige das Motiv *g*):

Damals war das Internetz wirklich langsam

Und, nebenbei – das war alles andere als billig. Hier meine Provider-Rechnung aus dem Jahre 1995. Internetzugang (1 Stunde täglich) + Newsgroups: EUR 65,-/mtl OHNE Telefonkosten (13 ct/min):

Internet-Provider Rechnung aus dem Jahre 1995

Und jetzt … besorg ich mir die 2 Liter Flasche Biovital … ;-)

Themenverfehlung „im ZENTRUM“

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Befragt man die ORF Kundendienst-Seite erfährt man über die Ausrichtung von „im ZENTRUM„:

In der Sendung „im ZENTRUM“, dem Nachfolger von „Offen gesagt“, wird das politische Thema der Woche inklusive seinem gesellschaftspolitischen Hintergrund von bis zu fünf Gesprächspartnern diskutiert.

Jetzt verfolge ich dieses „politische Diskussionsformat“ schon seit einigen Monaten und stelle fest, dass aus einem politischen Format ein Krawall-Boulevard-Diskussionsformat geworden ist. Da hilft auch kein „Auflockern“ durch 2 Minuten-Gäste oder Einspieler – im Gegenteil.

Klar, wenn ich in einem kleinen Land wie Österreich eine politische Diskussions-Sendung bringe, muss ich damit rechnen, dass den Zuschauern nach einiger Zeit die (immer gleichen) Beteiligten langsam beim Hals raus hängen.

Jetzt will man zwar mit dem Projekt „New Faces“ (unglaublich dämlicher Name übrigens) für neue Gesichter bei den Talkshows im ORF sorgen, allerdings wird das zu kurz greifen. Man sollte Ausrichtung und Selbstverständnis des Formats „im ZENTRUM“ komplett neu überdenken.

Dazu ein kurzer Blick auf die Titel der „im ZENTRUM“-Sendungen der letzten Monate:

  • Die Tricks der Schönheits-Industrie – Braucht sie strengere Regeln?
  • Fragt doch das Volk – dankt die Politik ab?
  • Der letzte Sirtaki – Muss Griechenland raus?
  • Karrierefrauen gegen Superglucken – Wer sind die besseren Mütter?
  • im Zentrum spezial: Schicksalswahlen in Europa
  • Alles Supersauber – oder doch nicht? Lässt sich die Politik in die Kassen schauen?
  • Luxus Autofahren – Zocken uns die Öl-Multis ab?
  • Wasser predigen, Wein trinken – Schein und Sein in der Katholischen Kirche
  • Angriff auf die Parteien – Piraten und Co im Anmarsch
  • Benimm-Regeln für Politiker? Können Vorschriften den Anstand ersetzen?
  • Politik gegen Justiz – wer sind die Bösen?
  • Dicke zur Kasse – UNO fordert Fett-Steuer
  • Natascha Kampusch – Neue Beweise oder Verschwörungstheorien?
  • Verlorene Jugend – Keine Arbeit, keine Ausbildung, keine Chance?
  • Der Telekom-Skandal – die verluderte Republik
  • Die fetten Jahre sind vorbei – Das Sparpaket 2012
  • „Die neuen Juden“ – Verfolgt? Verhetzt? Missverstanden?
  • Brauchen S‘ eine Rechnung?“ – Republik der Steuerhinterzieher
  • Todesfalle Traumschiff – Wie sicher ist man auf hoher See
  • Abgestraft – was nun? Österreich verliert sein Triple A, was sind die Folgen?
  • Wie tickt Österreich – Zwischen Operettenstaat und Bananenrepublik?
  • Party, Chillen, Shoppen – Tickt so unsere Jugend?
  • Ist Europa gerettet? Und welche Überlebenschancen hat der Euro?
  • Her mit dem Zaster! Brauchen wir die Reichensteuer?
  • Dicke Luft – Autos raus aus den Städten?
  • Sparen – Aber nicht bei mir!
  • Pfarreraufstand – kommt es zur Kirchenspaltung?
  • Der Schwindel mit der Frühpension
  • Missbrauch als System – Wer schützt unsere Kinder?
  • Streik! Sozialpartner-Romantik am Ende?
  • Bösewicht oder Sündenbock – Was machen die Banken mit unserem Geld?
  • Skandale am Pranger: Wenn Parlamentarier ermitteln
  • Teures Pflaster Österreich – Wer kann sich das Leben noch leisten?
  • Europas Albtraum – Geht Griechenland pleite?
  • 9/11 – Wie hat sich die Welt seither verändert?
  • Stresstest für die Koalition – Werden wir gut genug regiert?
  • Euroland ist abgebrannt – Erdrückt uns der Schuldenberg?
  • Aufsteigen mit Fünfern – ein Glaubenskrieg
  • Kaufrausch – Fällt der heilige Sonntag?
  • Gefährliche Genüsse – wenn Essen tötet!
  • Buhmann Lehrer – Wenig Arbeit für viel Geld?

Man kann unschwer erkennen, wie billig und boulevardesk man offenbar in dieser Redaktion denkt.

Da werden Krawall-Titel erzeugt, dass es eine Freude ist – wie überhaupt der Texter eine bestimmte Affinität zur BILD-Zeitungs-Diktion zu haben scheint: Da gibt’s „Superglucken“, es wird „abgezockt“, zweimal wird gefragt, wie XY „ticken“ und natürlich tanzt man in Griechenland „den letzten Sirtaki“.

Auf jeden Fall wird man laut diesen Headlines entweder beschissen, hat es mit lauter Unfähigen zu tun und auf jeden Fall gibt’s nur Schwarz oder Weiß. Davon kann auch das relativierende „Pseudo-Fragezeichen“ am Ende nicht ablenken.

Was neben der ärgerlichen (und IMGO verräterischen) Sprache auch stört, ist der Umstand, dass gut ein Drittel der Themen (Schönheits-Industrie, Bessere Mütter, Kampusch, Kreuzfahrten, …) mit „politischen Themen“ nichts zu tun hat.

Insgesamt kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass hier einfach das gescheiterte Boulevard-Diskussionsformat „Contra“ mit abgedeckt werden soll.

Dass jetzt angeblich Frau Zechner über eine Einstellung des Club 2 nachdenkt, während dieses „Nicht-Diskussions-Format“ mit einer hilflosen Ingrid Thurnher einen Tiefpunkt nach dem anderen liefert, zeigt die Schwäche des ORF im Bereich Talkshow.

Einzig kreuz + quer scheint dann noch die letzte Bastion intelligenter Diskussion im öffentlich-rechtlichen TV in Österreich zu sein.